Unity in Diversity

Unity in Diversity

Kontaktstelle:

Jordanstr. 10
01099 Dresden

unityindiversity@tolerave.de

unity in diversity – Vielfalt vereint“

Ein Projekt des Tolerave e.V., gefördert im Rahmen des Landesprogramms ‚Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz‘

… beinhaltet Workshops und Schulungen zu Antidiskriminierung, Toleranz und Vielfalt im Kontext zu Partys und zum Nachtleben
… fördert die Sensibilität für Toleranz und Antidiskriminierungsarbeit in der sächsischen Bar-, Club- und Musikszene
… stützt sich dabei auf die elektronische Musikszene, insbesondere das Netzwerk des Tolerave e.V.

1. Situationsanalyse und Zielsetzung

Fremdenfeindlichkeit und Demokratiefeindlichkeit haben in Sachsen erschreckende Ausmaße angenommen. Ausläufer der vorurteilsbehafteten und diskriminierenden Ansichten finden zudem ihre Wege in die Freiräume und Freizeitaktivitäten junger Menschen. Dementsprechend ist auch das Nachtleben in Städten und auf dem Land betroffen. Auf Partys, Konzerten oder in Clubs kommen unterschiedlichste, vorwiegend junge Menschen auf engerem Raum zusammen. Elektronische Musikveranstaltungen sind bunt besucht und orientieren sich häufig am Ideal, für alle gleichermaßen zugänglich zu sein. Innerhalb dieser Verdichtung von Diversität kommt es aber auch zu Reibungen, Abgrenzungen und Konflikten.

Im Sinne des altbekannten und vielseitig verwendeten Konzeptes “unity in diversity”, möchte unser Projekt eine Gemeinschaft(sbildung) unterstützen, die die Verschiedenartigkeit ihrer Mitglieder als positiven Mehrwert für sich wahrnimmt.
(Input bestehendes Konzept uid von Wiki und: https://bahai-library.com/lalonde_unity_diversity)

Um einen kleinen Teil dazu beitragen zu können, fördert das Projekt “unity in diversity – Vielfalt vereint” das Verständnis und die praktische Umsetzung von tolerantem und solidarischem Miteinander unter jungen Menschen vor allem im Nachtleben. Sowohl Akteur*innen als auch Konsumierende der nächtlichen Kulturbetriebe sollen als mündige und aufgeklärte Personen an Veranstaltungen mitwirken und teilhaben können. Antidiskriminierungs- und Awarenesskonzepte sollen sich langfristig in der gesamten Kulturlandschaft sowie im alltäglichen Umgang miteinander etablieren. Dazu bedarf es einer breiten Aufklärung, nicht nur in den Clubs und Bars, sondern auch in den Bildungs- und Jugendeinrichtungen.

2. Das Projektteam

Das Projektteam setzt sich aus drei verschieden qualifizierten Mitarbeitenden zusammen. Die Fach- und Arbeitsbereiche der Sozialpädagogik, der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Gastronomie und des Veranstaltungsmanagements spiegeln sich in den Kompetenzen des Projektteams wider. Zudem kann das Projekt auf die unzähligen Ehrenamtlichen des Tolerave e.V. zurückgreifen und erfreut sich dementsprechend einer breiten Unterstützung.
Das Projekt verfolgt einen peer-to-peer-Ansatz, Leute „aus der Szene“ arbeiten „für die Szene“. Ein vertrauensvolles Verhältnis sowohl zu Akteur*innen als auch zu Konsumierenden des Nachtlebens ist für uns wichtig, damit wir unsere Botschaften vermitteln und offene, ernsthafte Diskussionen anstoßen können.

3. Die Zielgruppe

Musik verbindet Menschen und wie die Veranstaltungen der elektronischen Musikszene zeigen, erreichen die Clubs und Partys nicht nur junge Erwachsene. Wir wollen sachsenweit Menschen erreichen. Die Zielgruppen des Nachtlebens sind jedoch nicht alle gleichermaßen erreichbar, sodass sich das Projekt auf zwei bestimmte Kategorien fokussiert:

Mit den Workshops werden vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in Jugend- und Bildungseinrichtungen adressiert (ab ca. 16 Jahren).

Die Schulungen sind konkret für (erwachsene) Akteurinnen der nächtlichen Kulturlandschaft ausgelegt. Der Fokus liegt hierbei auf Betreiberinnen von Institutionen sowie deren Personal, insbesondere in Hinblick auf Sicherheits- und Awarenesskonzepte.

Die Kontaktstelle als dritter Projektteil greift beide Zielgruppen zusammen, sodass ein Kontakt des Projektteams zu Gästen und Konsumentinnen ebenso gewährleistet wird, wie der Kontakt in die nächtliche Kulturwirtschaft sowie zu dortigen Multiplikatorinnen.

Workshops in Jugend- und Bildungseinrichtungen

Teil des Projektes „unity in diversity – Vielfalt vereint“ sind die Workshops in Jugend- und Bildungseinrichtungen zur Antidiskriminierung, Toleranz und Demokratie sowie zum Thema Vielfalt. Um einen konkreten praktischen Bezug zu gewährleisten, wird die Situation einer selbst veranstalteten Party aus verschiedenen Perspektiven nachempfunden. Dabei wird den jungen Erwachsenen verdeutlicht, welche Konflikt- und Diskriminierungsherde sich auf Partys und im Nachtleben generell ergeben können. Gleichzeitig wird den Teilnehmenden aufgezeigt, welche bestehenden Hilfsangebote und Handlungsmöglichkeiten bestehen, um Konflikte und Diskriminierung adäquat zu begegnen beziehungsweise vorzubeugen. Die Konzepte zu den Workshops werden vom Projektteam erarbeitet und von spezifisch qualifizierten Referent*innen durchgeführt.

Grundsätzlich strebt das Projektteam eine interaktive Vermittlung der theoretischen Inhalte an. Es wird sowohl in offenen Diskussionsrunden, als auch in Kleingruppen eigenständig – und kreativ – gearbeitet. Mittels des konzeptuellen Rahmens einer Party wird ein Identifikationsmoment für die Teilnehmenden geschaffen, um sich optimal in die Thematik einfühlen und mitdenken zu können. Das Rollenspiel kann je nach Möglichkeiten des Veranstaltungsortes unterschiedlich umgesetzt werden – von einer 15 minütigen Aufführung des „Party-Rollenspiels“ bis hin zur Planung einer real stattfindenden Party (Abschlussparty o.ä.) in Kooperation mit unserem Projektteam/den Referentinnen. Zum Abschluss wird ein Überblick über bestehende Hilfsangebote, rechtliche Grundlagen und weiterführende Informationen gegeben. Die Lernerfolge und die Wirksamkeit der Maßnahmen sollen mittels eines Lernfortschrittsanalysebogens ermittelt werden. Zur Evaluation des Projektes werden anonymisierte Daten wie die Anzahl der Teilnehmenden (u.U. auch Geschlecht und Altersverteilung) erhoben. Nach jedem Workshop ist eine kurze Reflektion mit dem jeweils zuständigen Personal (Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen) der Institution/des Workshop-Ortes vorgesehen.

Schulungen für Akteur*innen des Nachtlebens

Bis zum Jahresende werden Schulungen zum Thema Antidiskriminierungsarbeit und Verfahrensmöglichkeiten bei Diskriminierungsvorfällen angeboten. Diese adressieren vor allem Akteur*innen des Nachtlebens. Insbesondere das Sicherheitspersonal nächtlich geöffneter, kultureller Einrichtungen muss geschult werden, da es eine Schlüsselposition an der Tür und im Verlauf der Veranstaltung einnimmt. Die Security ist zumeist auch dafür zuständig, Antidiskriminierungsansätze zu kommunizieren und umsetzen.

Ziel ist hierbei, dass dem professionellen Personal die Dynamiken von Diskriminierungen vermittelt und potentielle Konfliktherde aufgezeigt werden. In den Schulungen werden gemeinsam mit den Teilnehmer*innen die spezifischen Räume einer Party, eines Konzerts oder eines Festivals sowie deren jeweilige Besonderheiten ausgearbeitet. Die jeweilige Einrichtung sowie dortige Angestellte sollen unterstützt und/oder befähigt werden, eigene Konzepte für eine diskriminierungsfreie Einrichtung und eine Strategie bei Vorfällen zu entwickeln. Dazu wird allen Teilnehmenden im Anschluss eine Sammlung an Kontakten aufbereitet angeboten, an die sie sich bei Unterstützungsbedarf wenden können. Bei der Herstellung von Kontakten unterstützen wir als Projekt die Einrichtungen, partiell auch weiterführend bei der Umsetzung.

Kontaktstelle & Kurzberatung

In 4 h pro Woche können sich Gäste, Clubbetreiber*innen und -personal oder andere Betroffene an die Kontaktstelle via Telefon wenden. Sie können uns Vorfälle von Diskriminierungen melden und eine Kurzberatung oder Weitervermittlung erhalten. Die Kontaktstelle wird ebenfalls online erreichbar sein. Wir greifen dabei einerseits auf Erfahrungen des Antidiskriminierungsbüro Leipzigs zurück, die 2011 mit ihrem Discotesting zu rassistischen Einlasskontrollen arbeiteten und u.a. erwirkten, dass Leipziger Clubs sich eine Selbstverpflichtung auferlegten.

Andererseits versuchen wir eine offene Kommunikation von Diskriminierung zu befördern und den Zugang zu bestehenden Hilfsangeboten zu erleichtern. Wir wollen alle – Akteurinnen und Konsumentinnen des Nachtlebens – unterstützen, im Bedarfsfall handlungsfähig zu bleiben, indem wir als erste Anlaufstelle agieren und Informationen sowie Kontakte zu Hilfsangeboten vermitteln. [Zu diesem Zweck arbeiten wir unter anderem mit dem Antidiskriminierungsbüro Leipzig (ADB) sowie mit der RAA Opferberatung Sachsen zusammen.]
Auf eine Weiterleitung können meldende Personen ebenso verzichten: wir betrachten alle Menschen als mündig in dem Sinne, als dass sie mit ausreichender Informationsgrundlage für sich selbst entscheiden können und sollen. Das Projektteam will lediglich helfen, Wege aufzuzeigen, die vielleicht noch unbekannt sind.

Weiterhin können sich natürlich alle am Projekt und dessen Angeboten Interessierte an die E-Mailadresse oder unseren Telefondienst wenden, wenn Fragen oder Anfragen bestehen.
In jedem Falle werden die an uns adressierten Meldungen anonymisiert aufgenommen und später ausgewertet. Wir wollen feststellen, welche Themen besonders vorherrschend sind, um langfristig an einer passenden, präventiven Strategie zu arbeiten. Das Projekt verfolgt den Anspruch, nachhaltig auf die Ausgestaltung der elektronischen Musikkultur mit einzuwirken. Mit den Daten, die in der Kontaktstelle ausgewertet werden, werden wir weiterarbeiten und Konzepte entwickeln, um Diskriminierungsprävention sowie Opferschutz in der nächtlichen Kulturlandschaft zu fördern. Allen Partygästen soll klar sein, an wen sie sich wenden können, sofern sie Hilfe benötigen. Mitarbeiterinnen, Akteurinnen und Multiplikator*innen des Nachtlebens sollen geschult sein, um mit Vorfällen adäquat umzugehen.

4.Kooperationen & Querverweise

In Bezug auf die Workshops ergeben sich verschiedene Kooperationen. Da im Dresdner Umland und in Sachsen viele Initiativen derzeit Angebote durchführen oder installieren, die inhaltlich mit unseren Workshops zusammenpassen, ergeben sich verschiedene Kooperationspartnerschaften.
Gerade in Hinblick auf das Arbeitsmaterial greifen wir auf die Expertise des ADB Leipzig sowie auf die vielfältigen Ausarbeitungen der RAA Opferberatung Sachsen zurück.
Weiterhin wird auf das vielfältige und weit verzweigte Netzwerk des Tolerave e.V. als Trägerverein zurückgegriffen und ein Austausch mit Institutionen wie dem Archiv der Jugendkulturen (Berlin), der Clubcommission Berlin oder Initiativen wie Reclaim Clubculture angeregt. Ebenso bestehen direkte, sachsen- und bundesweite Kontakte zu diversen Veranstalterinnen sowie zu Betreiberinnen von Clubs und anderen Kulturinstitutionen.